Zeckenbiss – Die Gefahr aus dem Unterholz
Obwohl der Winter hart war, war er leider nicht hart genug für die Zecken. Die Blutsauger werden schon ab acht Grad wieder aktiv. Sie lauern im hohen Gras oder im Unterholz auf ihre Opfer. Ein Zeckenbiss ist nicht ungefährlich. Die Spinnentierchen können unter anderem Viren übertragen, die zur Gehirnhautentzündung führen. Sie heißt Frühsommer-Meningoenzephalitis (abgekürzt FSME). Jährlich werden in Deutschland mehrere hundert Fälle gemeldet.
Über die Gefahr aus dem Unterholz und was man dagegen tun kann sprachen wir mit Wolf Eggers von Mein Gesundheitsnetz, Allgemeinmediziner aus Unna-Lünern.
Wie gefährlich ist FSME?
Eggers:
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist nicht heilbar. Sie bewirkt bei etwa 10 Prozent der Patienten Folgeschäden. Das können Lähmungen, Depressionen oder andere langanhaltende Krankheitsbeschwerden sein. Bei etwa zwei Prozent verläuft die Krankheit tödlich.
Wie verläuft die Krankheit generell?
Eggers:
Die Infektion verläuft in zwei Phasen. Nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen zeigen sich grippeähnliche Symptome – häufig auch mit hohem Fieber –, die nach ein bis acht Tagen abklingen. Die zweite Phase, die zirka 30 Prozent der Infizierten betrifft – beginnt nach etwa ein bis 20 Tagen mit hohem Fieber bis 40 Grad Celsius, Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit.
Wie kann FSME behandelt werden?
Eggers:
Ist die Krankheit erst einmal ausgebrochen, gibt es keine spezifische Behandlung. Bei Reisen in gefährdete Gebiete empfiehlt sich daher eine vorsorgliche Impfung einen Monat vor Reiseantritt. Dies betrifft insbesondere Camper, Mountainbiker und Wanderer. Bei der Schutzimpfung spricht man von einer aktiven Immunisierung, weil der Körper selbst aktiv werden muss, d. h. sein eigenes Abwehrsystem in Kraft setzt. Leider hält dieser Schutz meist nur einige Jahre an. Die Impfung muss deshalb regelmäßig aufgefrischt werden. Für eine vollständige Grundimmunisierung gegen FSME wird dreimal innerhalb eines Jahres geimpft. Soll kurzfristig ein Impfschutz aufgebaut werden, kann auch dreimal innerhalb von 21 Tagen geimpft werden.
Zecken gibt es überall, aber wo ist das FSME-Risiko besonders hoch?
Eggers:
In Deutschland gehören vor allem Baden-Württemberg und weite Teile von Bayern sowie einige Landkreise in Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz zu den Risikogebieten. In diesen Gebieten besteht potentiell bei jedem Aufenthalt in der freien Natur das Risiko, von einer Zecke gestochen und mit dem FSME-Virus infiziert zu werden. Neben den ausgewiesenen Endemiegebieten wurden auch aus fast allen anderen Bundesländern FSME-Fälle berichtet.
International gelten als besonders gefährdet: Österreich, Ungarn (vor allem im Bereich des Plattensees), Polen, Tschechien, Slowakei, Russland, Litauen, Lettland, Estland, Albanien, der Balkan sowie Skandinavien – vor allem die Ostseeküste von Südschweden und Finnland einschließlich vorgelagerter Inseln. Als Faustregel kann gelten: Je weiter man nach Osten kommt, desto höher ist das FSME-Risiko. Aber auch in der Schweiz, im Elsass und in Norditalien kommt das Virus vor.
Wie kann man sich gegen Zeckenbisse schützen?
Eggers:
Wer mit dem Gedanken spielt, in den gefährdeten Gebieten Urlaub zu machen, sollte auch an die notwendigen Abwehrmittel denken. Die sogenannten Repellents werden auf die Haut aufgetragen und schützen vor gefährlichen Zeckenbissen. Empfohlen wird das Tragen von langen Hosen und geschlossenen Schuhen, da es dadurch den Zecken erschwert wird, zur Haut vorzustoßen.
Ist FSME die einzige Krankheit, die durch Zecken übertragen wird?
Eggers:
Nein, neben FSME können Zecken auch Borreliose, eine durch Bakterien verursachte Krankheit, an den Gestochenen übertragen. Diese lässt sich jedoch mit Antibiotika behandeln. Es gibt noch über 50 weitere Krankheiten, die weltweit von Zecken übertragen werden können. Die meisten sind aber sehr selten. Ein Beispiel ist die Babesiose, auch als Hundemalaria bekannt.
Zecken – Thema der Abendsprechstunde
Ausführlicher über die Gefahr aus dem Unterholz wird Wolf Eggers bei der nächsten Abendsprechstunde von Mein Gesundheitsnetz am 3. Mai 2010, 19.30 Uhr, im Restaurant Kochto´s, Unna, Südring 31, berichten.


