Insektenstiche – Nicht nur für Allergiker gefährlich
Ein Wespen- oder Bienenstich kann nicht nur lästig sein, sondern auch sehr gefährlich. Bis zu drei Prozent der Deutschen reagieren auf das Insektengift allergisch. Ein spezielles Notfall-Set kann die Rettung sein.
Im Frühjahr, sobald es wärmer wird, fangen Bienen und Co. an zu arbeiten. Dann kann man beobachten, wie die kleinen pelzigen braunen Insekten emsig von Blüte zu Blüte fliegen. Im Gegensatz zu den meist negativen Schlagzeilen sind die kleinen Flieger eher genügsam und harmlos. Nur, wenn sie sich gestört oder bedroht und in die Enge getrieben fühlen, stechen sie zu und spritzen ihren Giftcocktail unter die Haut. Daher kann es gerade in ihrer betriebsamsten Arbeitszeit im Sommer vermehrt zu Insektenstichen kommen.
Vorbeugende Maßnahmen
„Um einen Stich zu vermeiden, sollte man vor allem nicht aus undurchsichtigen offenen Behältern trinken und keine Fleischreste oder Süßigkeiten im Freien liegen lassen“, mahnt Professor Thilo Jakob, Leiter der Allergieabteilung der Hautklinik des Universitätsklinikums Freiburg. Zudem sollte man es vermeiden, auf Wiesen barfuß zu laufen. Da nicht nur duftende Deos oder Haarspray Insekten anlockt, sondern auch Schweiß, empfiehlt es sich, nach sportlichen Aktivitäten zu duschen und auf nicht parfümierte Deos umzusteigen. Mülltonnen sollten geschlossen bleiben und Insektengitter an den Wohnungsfenstern verhindern, dass die kleinen Flieger in die Wohnung kommen. Wenn einem eine Biene oder einer ihrer Kollegen dennoch zu nahe kommen, sollte man vermeiden, nervös zu reagieren und um sich zu schlagen.
Im Fall der Fälle
Ein Bienen- oder Wespenstich kann ziemlich lästig sein. Während es bei den meisten Menschen bei einer Lokalreaktion, also bei Rötungen, Schwellungen und Jucken im Bereich des Stiches bleibt, kann das Insektengift bei einer bestehenden Insektengiftallergie zu schweren Schockreaktionen führen, die tödlich enden können. Derzeit werden in Deutschland jährlich 20 Todesfälle, bedingt durch eine Insektengiftallergie, registriert. Die Dunkelziffern liegen vermutlich wesentlich höher. Wenn man trotz Vorsichtsmaßnahmen gestochen wurde, sollte man vor allem Ruhe bewahren und die Stichstelle kühlen, um die entstehende Entzündung zu bremsen.
Eine auf die Stichstelle begrenzte Schwellung ist die ganz normale Reaktion auf das Gift. Bei Bienenstichen verbleibt meist der Stachel mit dem daran hängenden Giftsäckchen in der Haut. Hier sollte man versuchen, den Stachel zu ziehen, ohne die Giftblase zu zerdrücken. Bei Allergikern schießt die Immunabwehr jedoch über das Ziel hinaus: Falls nach dem Stich generalisierte Reaktionen wie Juckreiz, Übelkeit, Hautausschläge, Herzrasen und Atemnot auftreten, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, um mittels Notfallmedikamente die allergische Reaktion zu stoppen.
Immuntherapie mit Insektengift-Präparat
Wenn die anschließende Diagnostik bestätigt, dass eine Insektengiftallergie vorliegt, sollte unbedingt eine spezifische Immuntherapie, also eine Hyposensibilisierung eingeleitet werden. Dabei wird ein standardisiertes Insektengift-Präparat verabreicht, um das Immunsystem gegen diese Substanzen unempfindlich zu machen. „Hierbei handelt es sich um eine ausgesprochen effektive Behandlung mit einer Wirksamkeit von etwa 80 bis 90 Prozent, die man auf jeden Fall durchführen sollte“, rät Prof. Thilo Jakob.
Außerdem rät der Professor: „Menschen, die auf Insektengift allergisch reagieren, müssen immer ein spezielles Notfall-Set mit antiallergischen Mitteln und einen Allergieausweis dabei haben. Das Set sollte ein rasch wirkendes Antihistaminikum, ein Kortison- und ein Adrenalinpräparat als Autoinjektor enthalten. Unmittelbar nach dem Stich sollten das Antihistaminikum und das Kortikoid eingenommen werden. Das Adrenalinpräparat sollte nur angewendet werden, wenn akute Atemnot, Enge im Hals und/oder Kreislaufbeschwerden auftreten.“
Quelle: Unversitätsklinikum Freiburg


