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„Wenn die Nieren versagen" – Die Chancen auf einen guten Ausgang

  

Die beiden Nieren eines gesunden Menschen leisten jeden Tag eine gewaltige Arbeit. Sie werden jeden Tag durchströmt von etwa 1.800 Litern Blut und filtern etwa 180 Liter Primärharn. Darin sind zum Beispiel etwa 1,5 kg Kochsalz enthalten. Eine außerordentlich fein reguliertes System zur Wiederaufnahme von Wasser und Salz in den Harnkanälchen verhindert, daß wir austrockenen. Nur weniger als 1 Prozent der primär gefilterten Menge erscheint tatsächlich im Harn. Unser inneres Milieu wird durch diese Feinregulation erhalten, unabhängig davon, ob wir in der Wüste dursten oder aufs Münchener Oktoberfest gehen. Die Niere hält den Salz und Wasserhaushalt konstant. Doch nicht nur Wasser und Salze werden ausgeschieden, sondern auch Schlacken und Endprodukte des Stoffwechsels und, was eigentlich gar nicht geplant war, Medikamente. Damit gehören die Nieren zu den absolut lebenswichtigen Organen.

 

Dennoch, Nieren können versagen und zwar auf zwei unterschiedliche Weise. Einmal können Nieren „akut“, d. h. plötzlich aus voller Gesundheit heraus versagen. Man spricht dann von „Schocknieren“. Zum anderen können sie „chronisch“, d. h. langsam schleichend versagen, hier spricht man dann von „Schrumpfnieren“.

 

Akutes Nierenversagen wird in der Regel durch Ursachen außerhalb der Nieren herbeigeführt. Beispielsweise durch einen Blutungsschock, bedingt durch einen Unfall oder eine innere Blutung. Ein Nierenversagen kann aber auch bei schwerer Austrocknung bei Durchfall, Hitzschlag oder Verdursten eintreten. Eine typische Form des akuten Nierenversagens erfogt oft bei Verschüttung und Muskelquetschung, wozu es zum Beispiel bei Erdbeben häufig kommt. Auch Infektionen, z. B. mit Blutauflösung, wie die Malaria können ein akutes Nierenversagen auslösen. Allen diesen Formen ist eine vollständige Erholung der Nierenfunktion innerhalb von 2–4 Wochen gemeinsam, vorausgesetzt, die Grundkrankheit wird überwunden.

 

Zu einem chronischen Nierenversagen kommt es meist aufgrund einer Erkrankung der Nieren selbst, sei es durch Entzündung der Nierenkörperchen, durch Infektionen der Harnwege, durch Giftsubstanzen oder aufgrund angeborener Erkrankungen. Wesentliche Ursachen der chronischen Schädigung der Nieren sind auch Bluthochdruck und Zuckerkrankheit. Die Folge ist sehr einheitlich ein schleichendes und spät bemerktes Krankheitsbild, das durch Blässe, Müdigkeit, Inappetenz und Ausscheidungsstörungen gekennzeichnet ist.

 

Nierenversagen war bis zur Mitte dieses Jahrhunderts eine schicksalhafte tödliche Krankheit. Erst mit der Erfindung der künstlichen Niere trat eine Wende ein. Von ersten Versuchen in Deutschland und Holland bis zu einer allgemeinen Versorgung der Nierenkranken war es ein langer Weg. Heute kann in den Industrienationen jeder Nierenkranke behandelt werden. Das sind in Deutschland zurzeit mehr als 45.000.

 

Die Behandlung mit der künstlichen Niere ist jedoch beschwerlich und unvollständig. Deswegen wurde schon Anfang des Jahrhunderts daran gedacht, Nieren auch zu transplantieren. Gelungen ist dies erstmals in den 50er-Jahren. Eine große Verbreitung hat die Transplantation seit 1970–1980 gewonnen. Das Verfahren ist sehr erfolgreich, ermöglicht den Patienten ein nahezu normales Leben und ein langes Überleben. Leider gibt es viel zu wenige Organe zum Transplantieren. Deshalb warten in Deutschland etwa 4 Mal mehr Menschen auf eine Niere, als man jährlich transplantieren kann. Einige haben auch das Glück, eine Niere von einem nahestehenden Menschen gespendet zu bekommen, eine Methode, die immer mehr Verbreitung findet.

 

Quelle: BNV


 

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