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  • Mai 2010

Schilddrüse – Die große Macht eines kleinen Organs

Wenn sie nicht richtig funktioniert, hat der Mensch ein Problem! Darüber sprachen wir mit Dr. Thomas Huth, Facharzt für Allgemeinmedizin in Fröndenberg

 

Welche Aufgaben erfüllt die Schilddrüse?

 

Dr. Thomas Huth: 

Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ am Hals unterhalb des Kehlkopfes. Für unseren menschlichen Organismus ist sie lebensnotwendig, da sie durch ihre Hormonproduktion erheblichen Einfluss auf den Stoffwechsel und die Leistungsfähigkeit des Menschen nimmt. Schilddrüsenhormone wirken auf Herz und Kreislauf, sie erweitern die Blutgefäße, beschleunigen den Herzschlag und lassen so den Blutdruck ansteigen. Sie aktivieren aber auch den Fett- und Bindegewebsstoffwechsel, die Schweiß- und Talgdrüsen der Haut und unsere Darmtätigkeit. Außerdem sind Schilddrüsenhormone ganz wesentlich für sehr viele Wachstumsprozesse in unserem Körper verantwortlich.

 

Wie häufig sind Schilddrüsenerkrankungen?

 

Dr. Thomas Huth:

33 Prozent der bundesdeutschen Männer und Frauen leiden unter einer Fehlfunktion der Schilddrüse, die meisten von ihnen wissen es noch nicht einmal. Weil der gesamte Hormonhaushalt gestört wird, können die Beschwerden bei einer Funktionsstörung der Schilddrüse sehr vielfältig sein: Starkes Schwitzen, drastische Gewichtszu- oder abnahme, Schwindelattacken, Nervosität, Depressionen oder erhöhter Blutdruck. Da die Diagnose der Erkrankung durch die so unterschiedlichen Symptome schwer fällt, empfehlen Ärzte vor allem Frauen ab dem 35. Lebensjahr eine jährliche Überprüfung der Schilddrüsenfunktion. 

 

Welche Störungen der Schilddrüsenfunktion sind besonders häufig? 

 

Dr. Thomas Huth:

Es gibt Schilddrüsenfunktionsstörungen verschiedener Art. Produziert die Schilddrüse zu viel Hormone, dann liegt eine Überfunktion – eine Hyperthyreose – vor. Liefert sie zu wenig Hormone, leidet der Mensch an einer Unterfunktion – einer Hypothyreose. Häufig entwickelt die Schilddrüse auch diverse Arten von Knoten: heiße, warme und kalte Knoten, die je nach Funktionslage zu viel, zu wenig oder gar keine Hormone bilden.

Ist die Schilddrüse zu groß, weil sie z. B. zu wenig Jod enthält, sprechen wir von einer Struma. Früher litten viele Menschen an dem sogenannten „Kropf“, der kindskopfgroß werden konnte. Aber auch Krebszellen können in diesem kleinen Halsorgan entstehen. Der Schilddrüsenkrebs, medizinisch ausgedrückt das Schilddrüsenkarzinom, nimmt in Deutschland als Erkrankung ständig zu.

 

Welche Tipps haben Sie für eine gesunde Schilddrüse?

 

Dr. Thomas Huth: 

Ob wir dick sind oder dünn, hektisch oder ruhig, ob unsere Haare ausfallen, ja sogar ob wir uns fortpflanzen können – all das wird beeinflusst von dem kleinen Halsorgan, der Schilddrüse. Eine Erkrankung der Schilddrüse bleibt oft lange unbemerkt. Passt das Hemd am Kragen nicht mehr, haben Sie öfter das Gefühl, als säße ein Kloß in Ihrem Hals, fällt das Schlucken schwer oder sind Sie nervös und können nicht schlafen? Immer dann sollten Sie an eine Schilddrüsenerkrankung als mögliche Ursache denken. Ziemlich unspezifische Beschwerden also eigentlich. 

Bei der Papillon-Studie an über 96.000 Deutschen kam Erstaunliches heraus: Knapp jeder Dritte hatte einen Befund an der Schilddrüse – obwohl nur Menschen untersucht wurden, die vorher nichts von einer Schilddrüsenerkrankung wussten. Ursache kann ein Jodmangel sein, auch wenn sich die Jodversorgung heute deutlich gebessert hat. 

 

Wie kann der Jodbedarf gedeckt werden?

 

Dr. Thomas Huth:

Jeder sollte genug von diesem Spurenelement zu sich zu nehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 150 bis 200 Mikrogramm Jod pro Tag – eine Dosis, die durch eine ausgewogene Ernährung leicht erreicht werden kann. Besonders viel Jod ist in Sushi enthalten. Algen und roher Fisch sind zwar nicht jedermanns Sache, aber mit acht kleinen Happen ist die empfohlene Tagesration schon erreicht. Auch Seefische und Meeresfrüchte enthalten sehr viel Jod, büßen allerdings beim Kochen und Braten einen Teil ihres Jodgehaltes ein. Trotzdem sollten sie mindestens einmal, besser sogar zweimal pro Woche als natürliche Jodlieferanten auf dem Speiseplan stehen.

Relativ viel Jod steckt auch in Milch und Milchprodukten. Wer also gerne Joghurt und Käse mag, für den dürfte Jodmangel kein Thema sein. Wer sich weder mit Fisch noch mit Milchprodukten anfreunden kann, der kann sich aber auch mit jodierten Lebensmitteln behelfen. Es gibt nicht nur jodiertes Speisesalz. Mittlerweile ist in vielen industriell gefertigten Produkten wie Brot und Fertigspeisen Jod zugesetzt.

 

Worauf ist besonders  zu achten?

 

Dr. Thomas Huth:

Eine regelmäßige Kontrolle dieses kleinen, aber wichtigen Drüsenorgans  durch den Arzt ist von besonderer Bedeutung. Mittels Sonographie lässt sich die Schilddrüse sehr gut darstellen und durch eine spezielle Blutuntersuchung ist die Funktionslage der Schilddrüse sicher und schnell bestimmt.

 

Weitere Informationen 

Was sich hinter all diesen möglichen Funktionsstörungen der Schilddrüse und den damit verbundenen Erkrankungen verbirgt, erfahren Sie von Dr. Huth  in der nächsten Abendsprechstunde von Mein Gesundheitsnetz am 7. Juni um 19.30 Uhr  im Restaurant Kochto´s, Südring 31 in Unna. 



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