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Gesundheitsnachrichten

Narben in der Seele – Narben im Gehirn

Freitag, 16.12.2011 16.12.2011 16:22

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Forscher haben die Langzeitfolgen von Misshandlungserlebnissen mittels MRT untersucht. Die Daten zeigen, dass die Folgen von Gewalterfahrungen im Kindesalter noch Jahrzehnte später in den Gehirnen der Betroffenen nachweisbar sind.

Menschen, die als Kind misshandelt wurden, leiden meist ihr Leben lang unter den seelischen Folgen. So haben Erwachsene, die als Kind Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung ausgesetzt waren, ein erheblich höheres Risiko, an psychischen Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen zu erkranken. Wissenschaftler vom interdisziplinären Otto-Creutzfeldt-Zentrum für kognitive – und Verhaltensneurowissenschaften der Universität Münster haben nun erstmals gezielt die Langzeitfolgen von Misshandlungserlebnissen mittels Magnetresonanz-Tomografie (MRT) untersucht. Die Daten zeigen, dass die Folgen von Gewalterfahrungen im Kindesalter noch Jahrzehnte später in den Gehirnen der Betroffenen nachweisbar sind.

Die Forscher befragten eine große, repräsentative Stichprobe psychisch gesunder Erwachsener zu Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit. Mittels MRT vermaßen sie zum einen Gehirnstrukturen der Probanden, also die Größe einzelner wichtiger Gehirnbereiche. Zum anderen zeichneten sie die Gehirnaktivität der Probanden während des Betrachtens wütender und furchtvoller Gesichter auf.

Die Ergebnisse zeigten ein eindeutiges Bild: Über je mehr Gewalterfahrungen oder Vernachlässigung die Probanden berichteten, desto kleiner waren wichtige Gehirnstrukturen wie zum Beispiel der für Lernen- und Gedächtnis wichtige Hippocampus oder der für die Emotionsregulation zuständige Stirnlappen. Außerdem zeigten Probanden mit Gewalterlebnissen eine deutliche Überaktivität des Mandelkerns, einer zentralen Struktur des Furchtnetzwerks im Gehirn.

Die Auffälligkeiten in den Gehirnen der als Kind misshandelten Probanden haben erhebliche Ähnlichkeiten mit jenen Veränderungen im Gehirn, die depressiv Erkrankte häufig aufweisen. Daher könnten diese Veränderungen das höhere Risiko für das Auftreten psychischer Störungen bei Menschen mit Gewalterfahrungen erklären, schlussfolgern die Forscher.

Die Studie ist online erschienen und wird demnächst in der Printausgabe der Fachzeitschrift „Biological Psychiatry“ veröffentlicht. Sie wurde als „Priority Communication“ eingestuft, also als besonders bedeutsame Veröffentlichung. Die Arbeit ist ein Kooperationsprojekt von Wissenschaftlern der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie dem Institut für Klinische Radiologie am Universitätsklinikum Münster unter der Leitung von Privatdozent Dr. Dr. Udo Dannlowski und Dr. Harald Kugel. Sie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Medizinischen Fakultät der Universität Münster und der Rolf-Dierichs-Stiftung gefördert.

Quelle: Uni Münster

 


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