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Gesundheitsnachrichten

Schluss mit Schubladen

Sonntag, 05.02.2012 05.02.2012 17:00

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Mädchen können nicht so gut Fußball spielen wie Jungen und haben keine Ahnung von Autos. Dafür können sie besser tanzen und stellen nicht so viel an wie Jungen. Schon im Kleinkindalter werden Vorurteile wie diese gepflegt. Und zwar von jedem.

 
„Etwa im Alter von drei bis vier Jahren beginnen Kinder zunächst das eigene Geschlecht, später auch die eigene ethnische Gruppe oder Nationalität zu bevorzugen“, weiß Prof. Dr. Andreas Beelmann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Das gehöre zu einer ganz normalen Persönlichkeitsentwicklung, erläutert der Direktor des Instituts für Psychologie. „Problematisch wird es erst dann, wenn die positivere Bewertung der eigenen sozialen Gruppe, die im Laufe der Identitätsbildung ganz automatisch einsetzt, irgendwann in Vorurteile, Benachteiligung und Diskriminierung anderer umschlägt“, so Prof. Beelmann weiter.
 

Um das zu verhindern, arbeiten der Jenaer Psychologe und sein Team bereits seit längerem an einem Trainings- und Präventionsprogramm für Kinder, das Vorurteile abbauen und Toleranz gegenüber anderen fördern soll. Doch wann ist dafür der beste Zeitpunkt? Die Jenaer Psychologen Dr. Tobias Raabe und Prof. Dr. Andreas Beelmann haben nun wissenschaftliche Studien zu dieser Frage systematisch zusammengetragen.
 

Präventionsmaßnahmen früh einsetzen
 

Demnach nimmt die Entwicklung von Vorurteilen bei Kindern im Vorschulalter stetig zu und erreicht zwischen fünf und sieben Jahren einen Höhepunkt. Mit zunehmendem Alter der Kinder kehrt sich diese Entwicklung um und die Vorurteile werden weniger. „Dies spiegelt die normale geistige Entwicklung von Kindern wider“, erläutert Prof. Beelmann. „Während sie zunächst soziale Kategorisierungen von Erwachsenen vorzugsweise den Eltern übernehmen, dann durch Abgrenzung von Personen anderer sozialer Gruppen ihre eigene Identität finden müssen, lernen sie später zu differenzieren und individuelle Bewertungsmuster gewinnen die Oberhand über pauschale Stereotype.“
 

In diesem Alter sehen die Psychologen daher einen idealen Zeitpunkt, um mit gezielten Präventionsprogrammen gegen Vorurteile vorzugehen. „Prävention, die in diesem Alter einsetzt, unterstützt den normalen Entwicklungsverlauf, der dadurch verstärkt wird“, so Beelmann. Wie die aktuelle Studie und die bisherigen Erfahrungen der Jenaer Psychologen mit ihrem eigenen Präventionsprogramm zeigen, nehmen die Vorurteile im Grundschulalter besonders stark ab, wenn Kinder Kontakt zu Mitgliedern von sozialen Fremdgruppen haben, etwa zu Kindern anderer Nationalität oder Hautfarbe. „Das funktioniert auch, wenn der Kontakt gar nicht zu realen Personen besteht, sondern über Bücher oder erzählte Geschichten vermittelt wird.“
 

Das Grundschulalter sei aber auch eine kritische Zeit, in der sich Vorurteile verfestigen könnten. „Wenn es keinerlei Kontakt zu sozialen Fremdgruppen gibt, kann man auch keine persönlichen Erfahrungen machen und hält an pauschalen negativen Bewertungen länger fest.“ Hierin sehen die Wissenschaftler etwa eine Erklärung dafür, dass in Regionen mit sehr niedrigem Anteil an Ausländern und Migranten häufig die Fremdenfeindlichkeit besonders hoch ist.
 

Außerdem haben die Jenaer Psychologen festgestellt, dass sich auch bei Kindern sozialer Minderheiten soziale Einstellungen und Vorurteile anders entwickeln. Sie haben gegenüber der Mehrheit erst einmal gar keine negative, oft sogar eine positive Einstellung. Der Grund: Die Mehrheit genießt in der Regel einen gesellschaftlich höheren Status und wird als Vorbild angesehen. Erst später, mit der selbst erfahrenen Benachteiligung, entstehen bei ihnen Vorurteile, die sich dann viel hartnäckiger halten als bei anderen Kindern. „In diesem Fall muss Prävention früher einsetzen“, ist Beelmann überzeugt, damit es gar nicht soweit komme.
 

Grundsätzlich, das unterstreicht der Psychologe von der Jenaer Universität deutlich, bedeuten die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung aber nicht, dass sich im späteren Kindes- und Jugendalter nichts mehr an der Einstellung zu anderen sozialen Gruppen ändere. Das sei dann aber sehr vom sozialen Umfeld, also zum Beispiel von Normen in unserer Gesellschaft und weniger von der Persönlichkeitsentwicklung abhängig.
 
Toleranz lasse sich dagegen in jedem Alter fördern. Das „Rezept“ der Psychologen dafür: Möglichst vielfältige Kontakte zu Personen, die zu unterschiedlichen sozialen Gruppen gehören. „Wer sich mit vielen Gruppen identifizieren kann, wird Menschen seltener pauschal bewerten oder sogar diskriminieren“, sagt Prof. Beelmann.
 

Quelle: Uni Jena
 


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